Eine der ältesten Stadtansichten von Oschatz findet sich in Matthäus Merans Kupferstichsammlung „Topographia Germaniae“. Im Vorwort dazu heißt es: „Das ist Vollkömliche Beschreibung und eigentliche Abbildung der vornehmbsten Städt und Oerther ...“. Die Sammlung zeigt Oschatz in einer Reihe von Ansichten der damals bedeutendsten Städte Deutschlands. Diese Meriansche Sicht auf Oschatz setzt die Stadt vergleichend in eine Beziehung zu anderen Städten und ist womöglich längst zum Bestandteil lokaler Identitätsbildung geworden – als Produktionsstandort und in Kon-kurrenz um Investoren, Touristen und Einwohner. Gut 350 Jahre nach Merian recherchiert Silke Koch in Oschatz aktuelle „Ansichten“ und (Selbst)Darstellungen der Stadt. Sie sucht nach den Besonderheiten, auf denen diese gründen oder mit welchen sie begründet werden. Wie werden lokale Geschichte und deren Zeugnisse, Zukunftspläne und Hoffnungen zu etwas Einzigartigem? Die Relativistische Stadt – Wish You Were Here Mit einem blau-weißen Standard Straßen-schild gibt Silke Koch in ihrer Installation einem bisher unbenannten Raum zwischen den Gassen „An der Mauer“ und „Am Brühl“, dem Standort der ehemaligen Stadtmauer einen Namen: WALLSTREET. Ähnlich wie das Straßenschild funktionieren die neun Siebdrucktafeln, die einem touristischen Informationssystem gleich in der Oschatzer Altstadt installiert sind. Die deutsch/ englischen Tafeln stellen in historisch fundierten – je nach Behauptung/Quellen fokussierten Texten – den Besuchern und Einwohnern neun Oschatzer Besonderheiten aus Vergangenheit und Gegenwart vor: Neben der Wallstreet zum Beispiel den Brunnen auf dem Altmarkt, die Architektur des Rathauses und die Geschichte von der Einführung der Homöopathie in Amerika von einem Oschatzer.

Installation im öffentlichen Raum, 51,3° × 13,1°, Oschatz 2006, 2 Straßenschilder, 9 x Siebdruck auf Alu 50×70 cm, Postkartenset, Video Wallstreet DVD, color/sound 9 min, Postkartenset