In Mein Kaiserplatz führt die Erinnerung Regie und konstruiert ortsbezogene Begebenheiten zu Identität stiftenden Erzählungen einer durch gesellschaftliche Umbrüche und Wandel geprägten deutschen Geschichte. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit sich die Erinnerung der Erzählenden auf einen gemeinsamen Kontext und – warum sich eine Demokratie mit einem öffentlichen Platz auf ein Kaiserreich bezieht.

Mein Kaiserplatz [Kunst im öffentlichen Raum] Hörstück 17 min., Kaiserplatz Bonn 2013

A: Für mich ist, seit ich in Bonn bin, der Kaiserplatz der Kaiserplatz, und zwar ein ganz zentraler und wichtiger Platz in der Stadt. B: Ich denke da überhaupt nicht an einen Kaiser. Es ist für mich normal, dass viele Städte einen Kaiserplatz haben. Das kenne ich so. Ich weiß, es gibt immer eine U-Bahn oder eine Straßenbahn, die fährt zum Kaiserplatz. A: Ich weiß überhaupt nicht, wann der Kaiserplatz benannt worden ist. C: Ich kenne ihn nur als Kaiserplatz und bin ja schon relativ alt, also ich schätze 1870 um die Zeit. D: Also ich glaube der Kaiserplatz ist mit seiner Gründung, Bebauung um 1872 so benannt worden. E: Drei Jahre nachdem der deutsche Kaiser seinen Thron bestiegen hat, also 1874. F: Ja, der Anlass war interessant. Er ist unmittelbar eine Woche, nachdem Kaiser Wilhelm I, also der erste Kaiser des Vereinigten deutschen Reiches von 1871 gestorben ist, gewissermaßen pflichtschuldig noch in der Trauerphase umbenannt worden. G: Es gibt ja in Bonn nirgendwo Auskunft, auf welchen Kaiser sich dieser Kaiserplatz bezieht. Aber es wird sicherlich der preußische Kaiser sein und es wird Kaiser Friedrich Willhelm sein, ob der erste oder der zweite, das bleibt offen. C: Ich denke, auf den ersten Kaiser, denke ich. E: Kaiser Wilhelm I, der erste deutsche Kaiser, er ist wohl so schnell so bliebt gewesen, dass man ihm dann den Platz gewidmet hat. A: Vielleicht ist es der letzte deutsche Kaiser gewesen, den Deutschland hatte, der Deutschland dann in den Ersten Weltkrieg geführt hat. H: Auf Wilhelm II, der diesen Platz besucht hat, und anlässlich dieses Besuches wurde der Platz benannt. I: Ob der Kaiser jemals auf diesem Platz war, um den Platz Kaiserplatz zu nennen ist völlig irrelevant, weil der Kaiser dort ist, wo Insignien des Kaisers sind. Ich weiß von keinem Kaiserdenkmal. C: Ja, es gibt einen Menschen, ich glaube hoch zu Ross. Da ich sehr klein war, habe ich nie an ihm hoch geguckt. Aber ich glaube, es ist ein Kaiser auf einem Pferd. G: Ja, ganz unten, da ist ein Denkmal, was ja auch ganz fest zu dem Platz gehört, nämlich das Kaiserdenkmal, unten vor dem Hotel. Das hat früher ja mal woanders gestanden. Meiner Kenntnis nach oben auf dem Platz und ist dann nach unten verlegt worden. Dann ist das, glaube ich, auch mal gedreht worden, und es guckt jetzt sozusagen auf den Busbahnhof, dieser Kaiser. Aber er steht da ja völlig unkenntlich, hat nicht einmal eine Beschriftung, wen dieses Denkmal eigentlich wirklich zeigt. Ich vermute, das ist ... Kaiser Wilhelm, aber das ist auch nicht klar. Da steht der Name des Künstlers, glaube ich, unten ganz klein eingraviert. Aber dieses Denkmal gehört zu diesem Platz, und ich möchte wetten, dass ganz viele das gar nicht sehen. A: Nein, gibt es nicht. Es gibt drei große Springbrunnen auf dem Platz und die bestimmen auch das Bild des Platzes, zumindest im Sommer und auch das Geräusch, was dann auch bis in den Arbeitsraum des kunsthistorischen Institutes zu hören ist. Aber von einem Kaiser ist da keine Spur. I: Doch, wohl! Es gibt ... [Auszug]